OCEANMAN WORLD FINAL DUBAI

Prolog

Anfang Juli erreichte mich eine überraschende Mail der Oceanman-Organisation. Darin wurde ich darüber informiert, dass ich mich mit meinem sechsten Platz beim Ultraoceanman in Tabarca für das Oceanman World Final in Dubai qualifiziert hatte.

Die Freude und vor allem die Motivation waren riesig. Gleichzeitig stand ich aber sehr schnell vor einem anderen Problem: Internationale Freiwasserbewerbe sind kein günstiges Vergnügen und mein Budget für 2025 war mit dem Ultraoceanman bereits aufgebraucht. Dubai war weit weg – geografisch und finanziell.

Trotzdem kam mir eine Möglichkeit in den Sinn, wie sich vielleicht doch noch das nötige Geld aufbringen ließe: Crowdfunding. In den vergangenen Jahren hatte ich immer wieder gesehen, dass dieses Modell bei anderen Open-Water-Schwimmern gut funktioniert. Für mich selbst hatte ich es jedoch lange ausgeschlossen – es fühlte sich einfach wie Betteln an.

Doch für eine einmalige Chance wie diese musste ich meine Haltung überdenken. Also reichte ich ein Projekt bei „I Believe in You“, einer Crowdfunding-Plattform, die auch vom Österreichischen Olympischen Komitee unterstützt wird, ein und begann, Unterstützer zu suchen. Über den gesamten Aufwand dahinter – die vielen Stunden Arbeit, Telefonate, Mails und Abstimmungen – könnte man einen eigenen Beitrag schreiben. Wichtig ist nur eines: Dank vieler lieber Menschen konnte ich die angestrebte Summe erreichen und meiner Teilnahme in Dubai stand nichts mehr im Weg.

 

Anreise

Am 4. Dezember ging es für mich und meine Schwester, die dieses Mal die Funktion der Betreuerin übernahm, mit einem Direktflug von Salzburg nach Dubai. Für jemanden, der noch nie dort gewesen war, fühlte sich schon die nächtliche Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel wie eine Reizüberflutung an: zu viel Licht, zu viel Glanz, zu viel Protz. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – irgendwie faszinierend.

 

Nach einem späten Frühstück in unserem Hotel in der Marina und einer ausgedehnten Erkundungstour zum Marina Beach und nach Bluewaters fuhren wir am Freitagnachmittag mit dem Taxi zum Oceanman-Eventgelände am Kite Beach. Dort standen Akkreditierung, Anmeldung und die Abholung der Startunterlagen für mein Rennen am Sonntag am Programm. Neben Badehaube und Startnummern-Tattoos beinhaltete das Welcome-Package auch ein T-Shirt und einen Turnbeutel im Oceanman-Dubai-Design.

Beim anschließenden Race-Briefing wurden die verschiedenen Strecken erklärt. Die 10-km-Distanz war in zwei Runden à 5 km aufgeteilt. Zuerst Richtung Burj Al Arab dem berühmtesten Hotel in Dubai, dann zurück mit Blick auf den Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt. Rein von der Aussicht her also schon ein echtes Highlight-Rennen. Für die Verpflegung sollte es Boote im Wasser bei 2,5 km, 5 km und 7,5 km geben, an denen Getränke und Gels gereicht werden. Soweit die Theorie.

 

Ein besonderer Moment folgte danach: die Flaggenparade. Rund 2.800 Athletinnen und Athleten aus über 90 Ländern marschierten gemeinsam die Strandpromenade entlang. Jede Nation unter ihrer Flagge. Es war vergleichbar mit einer olympischen Eröffnungsfeier nur lauter, bunter und etwas chaotischer, aber mit mindestens genauso viel Nationalstolz.

Aus Österreich waren vier weitere Schwimmer über die 2-km- und 5-km-Distanzen am Start. Über die 10 km war ich der einzige rot-weiß-rote Starter.

 

Der Samstag war dem Sightseeing gewidmet. Eindrücke sammeln, ein wenig abschalten, Kräfte sparen, viel und gut essen.  

Sonntag – Wettkampftag

Tagwache um 4 Uhr.

Frühstückspaket von der Rezeption abholen, danach eine etwa 45-minütige Taxifahrt zum Startgelände (die langen Wege in Dubai überraschten mich immer wieder). Vor Ort noch schnell das mitgebrachte Frühstück verdrückt, den neuen Arena-Open-Water-Rennanzug angezogen, mich großzügig mit Sonnencreme und Vaseline eingerieben und die Startnummern-Tattoos mit etwas Wasser aufgebügelt. Dann Aufstellung im Startbereich mit rund 130 weiteren Teilnehmern. Eine epische Ansprache des Sprechers – wir seien die Elite, wir würden Geschichte schreiben – und um Punkt 7 Uhr Früh dann endlich der Start vom Strand.

  

Ein klassischer Baywatch-Lauf ins Wasser. Die ersten paar hundert Meter ziemlich ruppig, mit vielen Beinen und Armen rund um und auf mir, danach zog sich das Feld langsam auseinander. Ich fand eine gute Gruppe, unter anderem mit Schwimmern aus Mexiko, Italien und der Dominikanischen Republik. Die erste Verpflegung, dann die zweite – es dauerte fast die gesamte erste Runde, bis ich wirklich meinen Rhythmus gefunden hatte.

In der zweiten Runde fühlte sich das Schwimmen deutlich besser an. Ruhig, kontrolliert, kraftvoll. Ich hatte das Gefühl, die Schwimmer aus meiner Gruppe gut im Griff zu haben. Auf dem letzten Kilometer löste ich mich schließlich von ihnen, gab noch einmal Gas und konnte mich bis ins Ziel gut absetzen.

 

Am Ende kam ich als 29. aus dem Wasser – mit jeweils rund zwei Minuten Abstand nach vorne und hinten. Eine Platzierung, die sich absolut stimmig anfühlte. In meiner Altersklasse bedeutete das Rang 7.

Mit der Finisher-Medaille um den Hals plünderte ich noch die Verpflegungsstation im Zielbereich und sog die Atmosphäre in mich auf, bevor es zurück ins Hotel ging.

 

Am Abend folgte schließlich die Red-Bull-gesponserte Abschlussparty in einem der angesagtesten Beach Clubs Dubais. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern und natürlich meiner schwesterlichen Betreuerin fanden die Oceanman World Finals dort einen würdigen, entspannten und sehr passenden Abschluss.

Epilog

Die Teilnahme an den Oceanman World Finals war für mich mehr als nur ein Schwimmwettkampf. Es war das Erreichen eines Ziels, das ich so nie auf meinem schwimmerischen Radar gehabt hatte. Allein der Weg dorthin hat mir einiges abverlangt und mich gezwungen, über meinen Schatten zu springen, meine Ansichten zu überdenken und Hilfe anzunehmen.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, ohne die dieses Vorhaben niemals hätte umgesetzt werden können. Danke!


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Kommentare: 1
  • #1

    Friedrich Bauchinger (Freitag, 09 Januar 2026 05:44)

    Lieber Clemens,
    Liebe Vera,
    super Leistung, bin sehr beeindruckt. BRAVO!
    Liebe Grüße
    Fritz �